Umgang mit Konflikten

Fallbeispiel

Lukas ist 16 Jahre alt. Seit seinem 5. Lebensjahr leidet er an Asthma und hatte schon einige schwere Atemnot-Anfälle. Seine Eltern haben sich immer darum gekümmert, dass er regelmäßig seine Medikamente nimmt und Dinge meidet, die zu einer Verschlechterung seiner Erkrankung führen.

In letzter Zeit haben die Konflikte in der Familie zugenommen, besonders zwischen Lukas und seiner Mutter. Zugegebener Maßen vernachlässigt Lukas seine Therapie etwas. Ihm ist es momentan wichtiger, mit seinen Freunden Zeit zu verbringen, Party zu machen und einfach sein Leben zu genießen. Lukas Mutter macht sich deswegen Sorgen. Sie hat Angst, dass er einen schweren Asthmaanfall bekommen könnte und ihm nicht schnell genug geholfen wird.

Sie redet ihm deswegen häufig ins Gewissen. Das ständige Gerede über die Therapie nervt Lukas. Er distanziert sich von seiner Mutter und das ehemals so enge Verhältnis leidet. Seine Mutter hat den Eindruck, gar nicht mehr an ihn heranzukommen. Die Tatsache, dass er seine Krankheit nicht ernst nimmt, lässt sie verzweifeln. Sie redet umso eindringlicher auf Lukas ein. Er zieht sich daraufhin weiter zurück. Ein Teufelskreis beginnt…

Vielleicht kommt dir die oben beschriebene Situation bekannt vor und du findest Ähnlichkeiten zu deiner Familie. Die Position von Lukas kannst du wahrscheinlich gut nachvollziehen, doch kannst du auch die Lage seiner Mutter verstehen? Und hast du schon einmal probiert, dich in den Standpunkt deiner Eltern hineinzuversetzen?

Auch wenn dir deine Eltern manchmal wenig verständnisvoll erscheinen, sei versichert: sie wollen nur dein Bestes. Für sie ist es nicht leicht, das Krankheitsmanagement, das sie so viele Jahre übernommen haben, an dich abzugeben. Ängste und Sorgen um dein Wohlergehen sind da ganz normal und auch sinnvoll. Schließlich bist du ihr Kind und sie wollen, dass du ein gesundes, erfülltes Leben führen kannst.

Verständnis und Entgegenkommen auf beiden Seiten helfen, die Situation zu entspannen. Weder exzessiver Alkoholkonsum und ein betrunkener Anruf mitten in der Nacht, noch ein absolutes Ausgehverbot mit übertriebener Fürsorglichkeit tragen zur Lösung der Konflikte bei.

 Eltern vergessen manchmal, dass du in erster Linie nicht krank, sondern jugendlich bist, mit all den Wünschen und Zielen, die Jugendliche haben.

Die Streit-Regeln

Vor dem Streit...

  • Versuche, mit deinen Eltern klare Regeln aufzustellen: Was ist erlaubt und was nicht? Beispiel: Welche Pflichten in Schule, Haushalt oder Therapie hast du zu erfüllen, wenn du abends länger ausgehen möchtest? Welche Vorkehrungen sind nötig, wenn du am Wochenende mit Freunden zum Zelten fahren willst? Da du immer selbständiger wirst, müssen diese Regeln regelmäßig aktualisiert werden.
  • Du kannst von deinen Eltern nicht erwarten, dass sie dir alles erlauben. Es wäre in einigen Fällen ziemlich verantwortungslos von ihnen. Sei also kompromissbereit. Ein  Mittelweg ist besser als ein Verbot!
  • Sprecht offen über eure Wünsche und Sorgen. Was ist deinen Eltern wichtig und was ist dir wichtig? Versucht, euch in den anderen hineinzuversetzen. Ist die Position – zumindest teilweise – nachvollziehbar? Verständnis für den anderen ist das A und O einer funktionierenden (Eltern-Kind-)Beziehung! 
  • Wenn deine Eltern besorgt sind, mit wem du dich „rumtreibst“ oder wo du steckst, stell ihnen einfach mal deine Freunde vor und sag ihnen, wo du hingehst. Sei ehrlich und offen, das gibt deinen Eltern Sicherheit.
  • Wenn ihr bezüglich einiger Fragen unsicher seid, wie z.B. zum Alkoholkonsum, geht gemeinsam zum Facharzt. Sprecht auch mit dem Experten darüber, was unbedingt notwendig ist, um deine Krankheit richtig im Griff zu haben, und was man eventuell etwas lockern kann. Dein Behandler ist mit der Situation von jungen Menschen vertraut. Vielleicht gelingt es ihm, deinen Eltern die größten Ängste zu nehmen.

Klare Regeln, Kompromissbereitschaft und Offenheit helfen, Konflikte zu vermeiden.

Beim Streik...

  • Such nicht gleich nach Gegenargumenten, sondern hör erstmal zu. Nur so hast du die Chance, die Position des anderen zu verstehen.
  • Ruhig und sachlich bleiben. Beleidigungen und Verletzungen machen den Streit nur schlimmer und verhärten die Fronten.
  • Wenn der Streit eskaliert, macht einen „Streitstopp“. Der Streit wird dann für eine gewisse Zeit unterbrochen und jeder kann erst einmal durchatmen. Wenn ihr euch wieder beruhigt habt, setzt das Gespräch fort. 
  • Erinnert euch an die aufgestellten Regeln: Was habt ihr festgelegt? Haltet ihr euch daran? Oder argumentiert eine Partei „unfair“ und verdreht die Tatsachen? 
  • Benutze deine Krankheit nicht als Druckmittel, um deine Eltern zu erpressen. Das führt dazu, dass deine Eltern noch unsicherer in Bezug auf deine Krankheit werden. Es ist also keinem damit geholfen.

Nach dem Streit...

  • Klärt die Streitursache, um zukünftig Konflikte zu vermeiden. Warum ist der Konflikt eskaliert? Hat sich einer von euch nicht an die aufgestellten Regeln gehalten?
  • Besprecht ausgesprochene Beleidigungen und Verletzungen. Manchmal ist auch eine Entschuldigung angebracht
  • Hat euer Streit etwas gebracht, seid ihr zu einer Lösung gekommen? Wenn ihr noch keine Lösung habt, sucht gemeinsam danach. Sammelt Vorschläge und wägt diese ruhig und sachlich ab.

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Das Problemlösegespräch

 Man wird erwachsen, wenn man Dinge tut, obwohl sie einem die Eltern geraten haben.