Reisen mit chronischer Krankheit

Die Menschheit war wohl nie so mobil wie heutzutage. Viele junge Menschen verbringen bereits während ihrer Schulzeit einige Zeit im Ausland oder nehmen sich nach der Schule eine Auszeit. Auch du bist neugierig und reiselustig, lässt dich aber manchmal von den Hürden deiner Krankheit bremsen? Wir wollen dir zeigen, dass mit ein wenig Organisation auch für dich (fast) jedes Abenteuer möglich ist.

Vorbereitung

Zu den wichtigsten Aufgaben im Vorfeld gehört es meist die Eltern zu überzeugen, dass man alleine fahren darf. Besonders beim 1. Mal haben die Eltern oft Bedenken. In diesem Fall ist es sinnvoll, möglichst sachlich über die Ängste, tatsächlichen Risiken und Lösungsmöglichkeiten zu sprechen. Außerdem solltest du mit deinem Verhalten demonstrieren, dass du alles im Griff hast und man sich auf dich verlassen kann.

Bevor es losgeht, ist es wichtig, sich bei der Krankenkasse zu erkundigen, ob im gewünschten Reiseland Versicherungsschutz besteht und welche Leistungen übernommen werden. Innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes und der Schweiz ist die Krankenversicherung verlässlich geregelt.  Auch mit einigen nicht-europäischen Ländern, z. B. der Türkei, bestehen Verträge zur Minimalversorgung.

Bei Urlaubsreisen außerhalb Europas musst du dich frühzeitig um einen ausreichenden Versicherungsschutz durch eine Auslandskrankenversicherung kümmern. Auch ein möglicherweise erforderlicher Rücktransport sollte besprochen werden. Für Menschen mit einer Krankheit ist es dabei besonders wichtig die Versicherungskonditionen sorgfältig zu lesen und sicher zu gehen, dass es keinen Ausschluss „vorhandener Risiken“ gibt.

Deine Krankenkasse kann dich auch mit einem internationalen Notfallausweis ausstatten. Der Notfallausweis ist sinnvoll, wenn du alleine unterwegs bist. Er bietet einen raschen Überblick über deine Identität, deinen Gesundheitszustand sowie eine Notfalladresse. Für einige Erkrankungen gibt es spezielle internationale Ausweise, z.B. Diabetes.

Medikamentenmitnahme

Da es im Ausland teilweise schwierig ist sich Medikamente zu beschaffen, solltest du vor Antritt der Reise einen ausreichenden Vorrat besorgen. Auch wenn es aufwändig ist alle benötigten Medikamente und Hilfsmittel im Gepäck zu verstauen, bist du damit auf der sicheren Seite. Flüssige Medikamente, wie z. B. Insulin oder Ampullen mit Immunglobulinen oder Gerinnungsfaktoren, solltest du beim Fliegen komplett in dein Handgepäck packen, da im Gepäckraum des Flugzeuges eisige Temperaturen herrschen, die den Medikamenten schaden können. Aber auch bei anderen Medikamenten sollte ein Teil immer im Handgepäck verstaut werden, falls dein Koffer verloren geht.
Erkundige dich, wie in deinem Reiseland die Bestimmungen für Medikamentenmitnahmen sind. Ggf. muss dein Arzt dir eine Bescheinigung ausfüllen, wenn das Land strenge Bestimmungen hat, so z.B. bei Methylphenidat.

Als letzter wichtiger Punkt ist die allgemeine Wetterlage deines Reiselandes zu nennen. Solltest du in ein Land mit heißem Klima fliegen, musst du flüssige Medikamente kühl lagern. Bei zu hohen Temperaturen kann es passieren, dass deine Medikamente weniger wirken oder ganz ihre Wirkung verlieren.

Vor Ort

In ein anderes Klima zu verreisen kann für deinen Körper eine große Umstellung bedeuten und sehr anstrengend sein. Bedenke auch, dass dein Tagesrhythmus, das Essen und die körperliche Aktivität anders sind als Zuhause. Eventuell musst du deine Medikamenteneinnahme diesen Veränderungen anpassen. Bei Medikamenteneinnahmen, die zu bestimmten Zeiten erfolgen müssen, musst du zudem eine etwaige Zeitverschiebung berücksichtigen. Ggf. lässt du dich hierbei von deinem Arzt beraten.

Insbesondere wenn du länger verreisen möchtest, ist es von großer Hilfe, wenn du wichtige Vokabeln zu deiner Krankheit in der Landessprache oder zumindest in Englisch kennst. Kleiner Tipp: Erstelle dir doch ein kleines Vokabelheft mit den wichtigsten Sätzen und Wörtern. Wenn du schwierige Wörter nicht aussprechen kannst, lässt du deinen ausländischen Gesprächspartner einfach nachlesen.

 Wenn du eine Rundreise planst oder noch nicht genau weißt, wo es hin geht, solltest du deinen Eltern oder einer anderen Vertrauensperson regelmäßig mitteilen, wo du dich befindest. Auch das Verabreden von festen Telefonzeiten ist hilfreich. Es beruhigt deine Eltern und trägt zu deiner Sicherheit bei.

Längere Auslandsaufenthalte

Bei längeren Auslandsaufenthalten muss bedacht werden, dass die gesetzliche Krankenkasse nur bei einem Urlaub bis 6 Wochen bzw. 42 Tagen am Stück die Kosten erstattet. Ausnahmen davon sind längere berufliche und ausbildungsbedingte Aufenthalte im Ausland. Wenn du also einen längeren Auslandsaufenthalt planst (z.B.  Au-pair-Stelle oder FSJ), solltest du dich frühzeitig an deine Krankenkasse wenden, die Möglichkeiten besprechen und ggf. eine Zusatzversicherung für das Reiseland abschließen.

TOP 5

  1. Mach dich bei deiner Krankenkasse schlau.
  2. Besorge dir einen internationalen Notfallausweis.
  3. Plane, wie du deine Medikamente mitnimmst und wie viele.
  4. Lerne ein paar wichtige Vokabeln für den Notfall.
  5. Lass dich von der Zeitverschiebung nicht aus dem Rhythmus bringen.

Genieße deine Reise, entdecke die Welt und mache deine eigenen Erfahrungen!