Krisen – Wenn die Krankheit nervt

Es gibt Tage, da läuft alles gut, und es gibt Zeiten, in denen scheint einem das Leben ganz besonders unfair. Jeder kennt das – du vermutlich umso mehr. Manchmal hat man einfach keine Lust auf die Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen, und lässt die Therapie schleifen. Das ist insbesondere bei Jugendlichen ganz normal.

Krisen im Zusammenhang mit einer chronischen Krankheit

  • nicht dazugehören, sich ausgeschlossen fühlen, Mobbing
  • reduzierte Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Verbote und Einschränkungen
  • Ablehung des eigenen Körpers  und fehlende Akzeptanz der Krankheit
  • Verschlechterungen trotz Einhalten der Therapie
  • Änderung der Zukunftspläne in Bezug auf Beruf und Familiengründung
  • Angst vor gesundheitlichen Komplikationen und Folgeerscheinungen

Wann werden Krisen zum Problem?

Bedenklich wird es, wenn die Krise

  • sehr lange anhält,
  • zu kritischen oder sogar lebensbedrohlichen Gesundheitszuständen führt,
  • Depressivität und ggf. sozialen Rückzug zur Folge hat,
  • in selbst- oder fremdzerstörerischem Verhalten resultiert (z.B. Essstörungen, Selbstverletzungen, Drogenmissbrauch).

In schwerwiegenden Fällen ist ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfe unerlässlich. Kleinere Krisen kannst du vermutlich selbst meistern, ggf. mit Unterstützung deiner Familie, deiner Freunde und deines Behandlungsteams.

Welche Tipps zum Umgang mit Krisen gibt es?

1. Expertenrat: Dein Behandlungsteam kennt diese Probleme. Frage deinen Spezialisten, was unbedingt notwendig ist, um deine Krankheit gut im Griff zu haben und was man eventuell eine Zeit lang vernachlässigen kann.

2. Stopp mit dem Grübeln: Die Frage nach dem „Warum ich?“ bringt dich keinen Schritt weiter. Du fragst dich schließlich auch nicht, warum du braune Augen oder eine Vorliebe für Schokolade hast. Es gibt Dinge, die sind einfach wie sie sind. Was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren.

3. Positive Aspekte: Klar ist es einfacher ohne Epilepsie, Asthma oder Nierenerkrankung. Aber Krankheiten bringen nicht nur Negatives mit sich. Gesunde Menschen haben z.B. oft nicht gelernt, ihren Körper und seine Signale richtig einzuschätzen. Einige Freundschaften sind vielleicht nur aufgrund der Erkrankung entstanden. Deine Sonderrolle als Kranker bringt bestimmt auch manchmal Vorteile 🙂 Welche positiven Dinge fallen dir noch ein?

Wenn du auf deine Krankengeschichte zurückblickst, kannst du wirklich stolz auf dich sein. Selbstzweifel und Komplexe sind fehl am Platz, du leistest mehr als so mancher Gesunder.

4. Perspektivenwechsel: Die Krankheit ist nur ein kleiner Teil von dir. Du hast viele andere Seiten. Frag einmal die Menschen in deiner Umgebung! Versuch also, die Dinge in eine angemessene Relation zu setzen und nicht nur das zu sehen, was dir unmöglich ist, sondern auch das, was alles möglich ist. Niemand anders dürfte es dir sagen, aber wenn du ehrlich bist, gibt es Menschen, denen es viel schlechter geht als dir.

5. Unterstützung: Du musst deine Krisen nicht allein bewältigen. Dein Freund/deine Freundin, deine Eltern, Geschwister, Freunde und dein Behandlungsteam helfen dir dabei. Auch der Kontakt zu  anderen Betroffenen oder einer Selbsthilfevereinigung kann sich lohnen. Hier findest du nicht nur Gleichgesinnte, denen es ähnlich geht wie dir, sondern häufig auch wertvolle Tipps und kompetente Beratung (s. Interview mit der Selbsthilfevereinigung DCCV).  

Erfahrungsberichte zum Umgang mit Krisen:

„… mir hat es geholfen, öfter zum Arzt zu gehen und mein Tagebuch vorzuzeigen. Ich brauchte diese Kontrolle, nicht durch meine Eltern, aber durch meinen Arzt. Das funktioniert natürlich nicht bei jedem. Für dich ist es vielleicht besser, wenn du auf dich alleine gestellt bist. Möglicherweise hilft es dir auch, wenn du deine Freunde bittest, dir einen kleinen Schubs zu verpassen und dich wieder auf die richtige Bahn zu lenken. Oder du suchst dir eine Gruppe von anderen Betroffenen, mit denen du dich austauschen kannst. Such einfach irgendeinen Weg, wie du dich wieder motivieren kannst, wenn du grade keine Lust hast und dich alles nervt. Dass das passiert, ist total normal, wichtig ist nur, dass du diese Tiefs überwindest und wieder auf die Beine kommst. Die gute Nachricht ist: Irgendwann ist die Pubertät vorbei und dann wird vieles einfacher.“

„…Ich hatte in der Schulzeit immer Angst, offen von meiner Erkrankung zu reden. Ich dachte, dass niemand mit mir befreundet sein will. Ich war auch sicher, für immer Single zu bleiben, weil niemand mit einer kranken Person zusammen sein möchte. In der Schulzeit hatte ich keine Freunde. Zum Glück änderte sich das im Studium. Im Nachhinein denke ich, dass meine Verschlossenheit eher kontraproduktiv war. Die anderen haben sich so vielleicht viel Falsches ausgedacht und waren verunsichert.”

“…Insgesamt würde ich sagen, dass es mit einer chronischen Erkrankung natürlich Hindernisse gibt, die gesunde Menschen nicht haben und nicht kennen, aber meist sind es Hindernisse, die man überwinden kann und manchmal sind es auch Hindernisse, die einem nach dem Überwinden Vorteile und Sichtweisen bieten, die Gesunde nicht haben.“

„… Natürlich gibt es Einschränkungen und man muss immer auf seinen Körper achten, aber man kann trotzdem ein recht normales Leben führen, wenn man eben auf ein paar kleine Dinge achtet. Ich muss zum Beispiel daran denken, immer meine Tabletten bei mir zu haben und sie zu bestimmten Uhrzeiten einzunehmen. Besonders einschränkend ist es, wenn ich vergesse, mein Cortison zu nehmen, da ich dann zu nichts mehr in der Lage bin. Ich werde apathisch und meine Stimmung geht sehr schnell nach unten. Dann fühle ich mich extrem krank und denke auch, dass ich mit meiner Erkrankung nicht klar komme. Dann ist es gut jemanden zu haben, der einem immer wieder sagt, dass es mal passieren kann, seine Tabletten zu vergessen und dass die Traurigkeit nur am Cortisonmangel liegt und dass es einem bald besser gehen wird…“

„…Ich glaube, dass ich wegen diesem langfristigen und mir wichtigen Ziel `Ärztin zu werden´ mehr Kraft hatte, alles durchzustehen.“