Pass dein Leben nicht an die Krankheit an, sondern die Krankheit an dein Leben!

Interview mit YouTuber Bastian Niemeier, leidenschaftlicher Hobby- Filmemacher und Fotograf

Ich bin 15 Jahre alt und habe seit ca. 2 Jahren Diabetes Typ 1. Das heißt, der Teil meiner Bauchspeicheldrüse, der das Hormon Insulin herstellt, funktioniert nicht mehr. Deswegen muss ich es spritzen.

In meiner Freizeit mache ich quasi nur das eine: Filme – z.B. über meine Krankheit. Schau mal rein: http://bastian-niemeier.de

Bastian, wenn Du an die erste Zeit Deiner Erkrankung denkst: Was waren Deine Gedanken und Gefühle?

Erst war ich am Boden zerstört. Ich wusste einfach nicht, was ich jetzt machen sollte. Ich wusste nicht, was sich alles ändern wird. Genau das war wahrscheinlich das Schlimme: Diese Angst vor dem Ungewissen. Doch als ich gemerkt habe, dass es ja gar nicht „soooo schlimm“ ist und ich wusste, was auf mich zukommt, da konnte ich mich darauf einstellen. Ich habe gelernt, damit zu leben und trotzdem Spaß am Leben zu haben.

Wie hat sich Deine Erkrankung auf Dein Leben ausgewirkt?

Im Alltag macht mir die Krankheit zwar viel Aufwand, da ich immer die Kohlenhydrate ausrechnen muss, mehrmals täglich meinen Blutzucker messen muss und noch so viel mehr. Doch es hat sich nicht alles nur ins Schlechte entwickelt. Die Krankheit hat mir dabei geholfen, mehr Selbstvertrauen aufzubauen, einen Film zu kreieren, mit dem ich zur Verleihung des „Deutschen Jugendvideopreis“ konnte – da ist für mich echt ein Traum in Erfüllung gegangen  – und ich konnte so viele neue Leute kennenlernen.
Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen, indem ich aus der Krankheit einfach ein neues Hobby gemacht habe und jetzt Videos über Diabetes mache.

Was machst Du, wenn es Dir wegen Deiner Erkrankung nicht so gut geht?

Ich versuche, nicht mehr so viel daran zu denken und mich mit etwas, was mir Spaß macht, abzulenken. Wenn ich dann wieder gute Laune habe, denke ich darüber nach, was ich machen könnte, damit ich erst gar nicht wieder in so eine Situation komme.

Wer oder was unterstützt Dich, wenn es Dir mal nicht so gut geht?

Mich unterstützen dann meistens die Sachen, die mir am meisten Spaß machen: Das ist Laufen und meine große Leidenschaft das Fotografieren und Filmen. Natürlich kann ich aber auch immer zu meiner Familie oder meinen Freunden gehen.

Was möchtest Du anderen jungen Leuten mit Diabetes oder einer anderen chronischen Erkrankung sagen?

Diabetes ist eine Krankheit, die echt einiges von einem abfordert und sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Jedoch sollte man sein Leben nicht der Krankheit anpassen, sondern es andersherum machen. Man sollte die Krankheit an sein Leben anpassen. Das heißt: Man muss immer im Hinterkopf behalten, was alles passieren kann, das auch für später schwere Folgen haben kann. Allerdings sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen, wenn man zwischendurch mal ein paar schlechte Werte hat. Man sollte immer so einen Mittelweg finden zwischen viel Aufwand und guten Werten.

Welche Erfahrungen hast Du beim Arztwechsel gemacht?

Ich hatte das Glück, dass ich bei meinem Kinderarzt, der auch Diabetologe ist, in Behandlung bleiben konnte.

Das Interview führte Andrea Dehn-Hindenberg