Bericht “Manchmal habe ich aus Trotz nicht gemessen”

„… Ein weiteres  Problem, das ich in meiner Pubertät hatte, waren meine Eltern. Natürlich ist das ein Problem, welches nicht nur Diabetiker, sondern alle Jugendlichen haben. Aber ich bin der Meinung, dass Eltern von Diabetikern noch viel anstrengender sind und deutlich mehr nerven als die Eltern von gesunden Jugendlichen.

Das geht schon beim gemeinsamen Essen los. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob meine Mutter die obligatorischen Fragen: „Hast du schon gemessen?“ und „Hast du schon gespritzt?“ nicht einfach mal weglassen könnte. Klar wusste ich, dass ich das vor dem Essen zu tun habe, aber irgendwie hatte ich manchmal einfach keine Lust oder noch schlimmer, ich wollte eigentlich gerade messen und war dann so genervt von der bloßen Frage, dass ich aus Trotz nicht gemessen habe, obwohl ich wusste, dass das vollkommen unsinnig war.

Klar, du weißt, dass du Diabetes hast. Du weißt auch, dass du regelmäßig messen solltest und immer spritzen musst. Außerdem weißt du natürlich, was passiert, wenn du das nicht machst, weil dein Diabetologe, deine Eltern und am besten noch andere Menschen, die du nie danach gefragt hast, ganz gerne davon erzählen. Aber auch wenn du das alles weißt, hast du manchmal einfach keine Lust, diesen ganzen Kram zu machen. Häufig wird dann gesagt, dass man das doch nicht für den Arzt oder seine Eltern, sondern für sich macht, aber das wollte ich natürlich auch nicht hören.

Eine ultimative Lösung für diese Probleme habe ich nicht. Das wäre wohl zu einfach. Ich habe meiner Mutter irgendwann einfach gesagt, dass sie aufhören soll, mich ständig mit Fragen zu nerven. Ich habe ihr erklärt, dass ich eher weniger messe, wenn sie ständig fragt, weil ich das einfach anstrengend finde. Danach wurde es besser.

Außerdem musste ich etwas finden, das mich dazu motiviert, meine Therapie einzuhalten, und auch wenn es immer heißt, dass man das für sich und nicht für den Arzt macht, hat es mir persönlich geholfen, öfter als einmal im Quartal zum Diabetologen zu gehen und mein Tagebuch vorzuzeigen. Ich brauchte diese Kontrolle, nicht durch meine Eltern, aber eben durch meinen Arzt. Das funktioniert natürlich nicht bei jedem … .