2 Blickwinkel: Mutter vs Tochter

Tochter: “Durch die Folgen eines Hirntumors ist bei mir seit meiner Kindheit eine aufwändige Hormontherapie erforderlich. Mit 15 Jahren nervte es mich dann total, dass ich immer noch versorgt wurde wie ein Kleinkind. Schließlich wollte ich sonst auch wie ein Erwachsener behandelt werden. Ich habe meinen Eltern daraufhin gesagt, dass ich mich jetzt selbst darum kümmern will. Es war zu Beginn echt aufwändig und ich hab so manches Mal etwas vergessen. Am liebsten hätte ich meiner Mutter gerne wieder die ganze Arbeit überlassen.  Aber mit der Zeit klappte es. Ich kenne mich jetzt gut aus und darf viel mehr als vorher”

Mutter: “Als unsere Tochter mit 15 Jahren die Therapie plötzlich alleine übernehmen wollte, hatte ich erst einmal ziemliche Angst. Es kann dabei so viel schiefgehen und sie war in der Pubertät leider auch sehr unzuverlässig geworden. Mein Mann überzeugte mich dann, dass es irgendwann einfach sein muss. Wir können sie schließlich nicht immer wie ein kleines Kind behandeln und wir werden ja auch älter. 

Die erste Zeit war dann ziemlich hart. Sie hat so manches Mal etwas vergessen und ich musste sehr an mich halten, nichts zu sagen und alles wieder an mich zu reißen. Mit der Zeit klappte es dann aber ganz gut und ihre Werte waren wieder ok. Unser Verhältnis hat sich seitdem sehr entspannt.  Dadurch dass ich sie nicht mehr ständig überwache und ermahne, verstehen wir uns wieder viel besser und wir können wieder offen miteinander reden. Dass sie nächstes Jahr zum Studieren wegziehen will, verdränge ich aber bisher noch.”