Sport und Bewegung

Von Treppenschnaufern und Leistungssportlern

Sport und Bewegung sind gesund, halten fit, verbrauchen Kalorien und machen Spaß. Die Antwort auf die Frage, ob du mitmachen darfst, ist ganz klar JA! Unser Körper braucht sogar Bewegung und das Immunsystem profitiert von dem positiven Einfluss des Bewegungsreizes.

Eine Krankheit ist also kein Hindernis für Bewegung. Es gibt sogar Leistungs- und Profisportler mit einer chronischen Erkrankung, so z.B. der 3fache Olympiasieger im Rudern Steven Redgrave (Colitis ulcerosa, Typ 1 Diabetes), Fußballer Ivan Klasnic (Niereninsuffizienz), Triathlet Matthias Michl, der den Weltmeistertitel im 3fachen Ironman errang (Morbus Crohn), die ehemalige Profischwimmerin Sandra Völker (Asthma), Volleyballerin Maren Brinker (Typ 1 Diabetes) und Matthias Steiner, Weltmeister im Schwergewicht, der aktuell vermutlich zu den bekanntesten Typ 1 Diabetikern gehört. Ein Interview mit ihm mit dem Titel “Du kannst fast alles erreichen” findest du unter http://scoolz.de/8135,matthias_steiner_interview.htm

Chronische Krankheiten und Sport

In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass es Personen mit einer chronischen Erkrankung gut tut, sich zu bewegen:

  • Bei Diabetes senkt Bewegung die benötigte Insulinmenge und das Risiko einiger Folgeerkrankungen wird reduziert.
  • Bei Herzfehlern kräftigt Sport die Muskulatur, fördert die Durchblutung und erhöht die Belastbarkeit.
  • Bei Asthma werden das Volumen der Lunge und damit die Lungenfunktion gestärkt. Die Reizschwelle für einen Asthmaanfall steigt.
  • Bei CF ist die körperliche Aktivität einer der wichtigsten Prädiktoren für eine stabile Lungenfunktion. Bewegung kann dabei einen Teil der Physiotherapie ersetzen. Zudem erhöht sie die Knochendichte und dient damit der Osteoporoseprophylaxe.
  • Bei CED kann durch regelmäßige Bewegung der Krankheitsverlauf stabilisiert werden, der Medikamentenverbrauch kann sinken und die Betroffenen fühlen sich leistungsfähiger.

Falls dir Sport nicht liegt, ist das nicht tragisch. Es muss nicht der Besuch im Fitnessstudio oder die Mitgliedschaft im Fußballverein sein. Regelmäßige Alltagsbewegung wie Radfahren, Inlinern, zu Fuß gehen oder Tanzen reicht für den positiven Effekt auf die Gesundheit meist aus.

Wie groß ist das Risiko durch Sport?

Manche Menschen haben Angst, dass die Belastung durch Sport zu groß ist, und man sich mit einer chronischen Krankheit besser schonen sollte. Dies beruht häufig auf Berichten über den plötzlichen Tod eines Profi- oder Extremsportlers und hat nichts mit dir zu tun. Diese Sportler trainieren erstens mehrmals pro Tag auf einem sehr hohen Leistungsniveau. Zweitens identifiziert man als Ursache häufig eine bis dahin unerkannte Erkrankung. Drittens weiß man nicht, welche Rolle verbotene Dopingmittel spielen.

Werde dein eigener Experte

Die wenigsten Sportlehrer und Trainer werden sich mit deiner Erkrankung so gut auskennen wie du. Deshalb ist es wichtig, dass du selbst Experte für dich wirst. Bei Erkrankungen, bei denen es durch Sport zu akuten Krisen kommen kann (z.B. Asthma, Diabetes) solltest du deinen Lehrer oder Trainer zu Beginn über deine Erkrankung informieren. Besprich mit ihm, was im Falle einer beginnenden Krise zu tun ist. Wenn dir dieses Gespräch unangenehm ist, frag einen Freund oder eine Freundin, ob sie dich begleiten.

Ansonsten hast du selbständig dafür zu sorgen, dass du deine benötigten Hilfsmittel griffbereit dabei hast (Akutspray, Traubenzucker, Handy etc.) und bei Bedarf Pausen einlegst zum Verschnaufen oder für eventuell notwendige Selbstkontrollen wie Blutzucker-Messungen.

Leistungssportler und Doping

Wenn man sich für Leistungssport und Wettkämpfe entscheidet, sollte man wegen seiner  Medikamente einen Blick in die Dopingliste werfen. Auch wenn ihr es zu anderen Zwecken einsetzt, stehen einige Präparate (z.B. Cortison) auf der Dopingliste und sind verboten. Eventuell musst du eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Genaue Informationen findet ihr auf der Seite der Nationalen Antidoping Agentur www.nada-bonn.de

Welcher Sport ist der richtige für mich und wie fange ich an?

  1. Planung & Vorbereitung: An erster Stelle steht der Spaß! Nur wenn dir die Bewegung Spaß macht, hast du langfristig Lust, dabei zu bleiben. Wenn du noch keine Idee hast, welche Sportart dir liegt, verschaffe dir eine Übersicht durch einen Blick in das Programm vom Unisport oder einem Breitensportverein in deiner Nähe. Auch wenn du nicht studierst, findest du dort vermutlich Sportarten, auf die du von alleine nicht gekommen wärst. Außerdem kann man an vielen Kursen auch als Gast teilnehmen.

    Such dir dann einen Verein oder eine Trainingsmöglichkeit in der Nähe. Vielleicht hat auch ein Freund oder eine Freundin Lust, mitzukommen. Bei Motivationsproblemen könnt ihr euch gegenseitig stützen. Probiere ruhig ein bisschen aus, was dir gefällt und zu dir passt. Probetrainings sind in der Regel kostenlos und jederzeit möglich.

    Generell gibt es keine Verbote. Wenn du allerdings unsicher bist, ob du wegen deiner Erkrankung etwas Besonderes berücksichtigen musst, frag deinen Arzt.

  2. Mitmachen & Dabeibleiben: Nachdem du deine Sportart gefunden hast, heißt es, kontinuierlich dabeibleiben. Am Anfang wirst du schnell Fortschritte machen und vermutlich viele nette Leute kennenlernen. Aber es wird auch Tage geben, an denen du weniger Lust hast. Versuche, trotzdem hinzugehen! Nach dem Sport fühlt man sich ausgeglichener und einfach erholt.

    Als Neueinsteiger solltest du dich langsam steigern. Sich von 0 auf 100 hochzufahren, ist ineffektiv, erzeugt höllischen Muskelkater und macht nur selten Spaß. Weniger und dafür regelmäßig bringt eindeutig mehr. Erlaube dir eine Eingewöhnung und steigere dich dann kontinuierlich.

    In der Anfangszeit solltest du dich etwas genauer beobachten und eventuell Anpassungen für dich vornehmen (z.B. bei einem Asthmaanfall während des Trainings beim nächsten Mal vorweg dein Spray nehmen oder bei einer Unterzuckerung die Insulindosis bzw. Kohlenhydratmenge vorher anpassen). Werde Experte für deinen Körper!

  3. Reflexion und Leistungssteigerung: Nach dem Sport solltest du dir kurz Zeit nehmen, um zu überlegen, ob alles gut geklappt hat und ob du etwas verändern willst. Wenn alles gut lief, kannst du dir beim nächsten Mal mehr zutrauen. Wenn nicht, lag es vielleicht an deiner Tagesform. Neben der körperlichen Fitness ist die Belastbarkeit von vielen anderen Faktoren abhängig, so z.B. von ausreichend Schlaf, Ernährung, Wetter, Tageszeit, Stress und der Motivation. Irgendwann weißt du automatisch, ob heute “viel geht” oder eher ein ruhiger Tag ist.