Schminktipps vom Profi

Interview mit Marita von Aufschnaiter, Make up & Hair Artist

Marita von Aufschnaiter, Make up & Hair Artist

Marita hat zunächst eine Ausbildung zur Friseurin gemacht. Nach einer Zusatzausbildung zur Visagistin arbeitete sie für das Fernsehen. Mittlerweile ist die Mode- und Werbefotografie ihr Haupttätigkeitsfeld. Sie begleitet unterschiedlichste Kunden auf Reisen und schminkt und frisiert die Models für Foto-Aufnahmen.

Außerdem betreibt sie ein Schminkportal im Internet, auf dem sie Schminktipps und Anleitungen für die unterschiedlichsten Looks weitergibt

(https://www.perfekt-schminken.de/).

Was sollte man unbedingt als erstes tun, bevor man sich schminkt?

Schminken ist ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Der Spaß und die Lust an der Verwandlung sind ganz wichtig. Es können nicht nur Hautprobleme kaschiert, sondern auch eine ganz individuelle Ausstrahlung erzeugt werden, die zu einem besseren Lebensgefühl beisteuert.

Wenn es darum geht, den Ablauf zu beschreiben, würde ich als Erstes auf das gereinigte Gesicht eine Feuchtigkeitscreme auftragen und dann mit dem Schminken beginnen. Durch die Creme wird die Haut mit Feuchtigkeit versorgt und vor Trockenheit geschützt. Inzwischen gibt es auf dem Kosmetikmarkt auch schon Produkte, die neben der abdeckenden Foundation (Grundierung) einen gewissen Feuchtigkeitsanteil enthalten, sogenannte BB Creams.

Was ist wichtig beim Kauf von Kosmetika, damit die Haut nicht zusätzlich gereizt wird?

Kosmetika sind nicht grundsätzlich schädlich oder reizen die Haut. Sie können durchaus eine pflegende und reizreduzierende Wirkung erzielen! Bei Problemhaut oder Akne kann es jedoch ratsam sein, einen Arzt zu fragen. Liegen Allergien vor, so muss natürlich das Allergen gemieden werden. Das bedeutet, dass man sich mit der Zutatenliste beschäftigen muss. 
Parabene und künstliche Duftstoffe sind zum Beispiel häufig für Allergien verantwortlich. Leider werden diese Stoffe sehr häufig verwendet. Allerdings gibt es inzwischen auch Kosmetikhersteller, die bewusst auf Parabene verzichten!
Grundsätzlich ist es wichtig, seinen Hauttyp richtig einzuschätzen, um Fehlkäufe zu vermeiden: Ist die Haut fettig, trocken oder sehr sensibel? Viele Produkte sind für die jeweiligen Hauttypen ausgelegt und können dann auch Symptome ausgleichen und beheben. Wenn du unsicher bist, kann auch eine Kosmetikerin bei der Feststellung des Hauttyps helfen.

Wie können Hautrötungen, Unebenheiten, Pickel und Narben abgedeckt werden, so dass es möglichst natürlich aussieht?

Es gibt Unmengen an Produkten, um ein ebenmäßiges Hautbild herzustellen und Hautprobleme abzudecken. Die Deckkraft kann dabei sehr unterschiedlich sein. Sind es nur ein paar Pickel oder Rötungen, reicht mitunter ein Concealer, um sie punktuell abzudecken. Der englische Begriff ‚conceal‘ bedeutet übersetzt ‚verbergen‘ und genau dazu dienen diese Produkte. Wenn wir den Concealer punktuell zum Abdecken nutzen wollen, ist es sehr wichtig, genau den eigenen Hautton zu treffen. Dann fällt es am wenigsten auf.
Die nächste Stufe der Abdeckung ist eine Make up – Foundation oder Grundierung. Hier kommt es auf einen Test an, welches Produkt die Hautprobleme ausreichend abdeckt. In vielen Läden können die Produkte probeweise aufgetragen werden. In Parfümerien sind häufig auch Berater verfügbar. Ich würde empfehlen, den Farbton möglichst nah am eigenen Hautton zu wählen. (Eine genaue Anleitung zum Auftragen von Concealer findest du hier: https://www.perfekt-schminken.de/basiswissen/schminktechniken/mit-concealer-schminken/)
Je nach Schwere des Hautproblems können auch stärker abdeckende Mittel, wie z.B. ein Camouflage – Make up verwendet werden. Mit diesen Produkten sind auch sehr starke farbliche Veränderungen bis hin zu Tattoos abdeckbar! Es gibt farbliche Abstufungen, die auf die jeweilige farbliche Veränderung eingehen. Zum Beispiel wird grünes Camouflage – Make up als Komplementärfarbe für rötliche Probleme angewendet.

Ist das auch etwas für Jungs?

Für Jungen oder Männer reichen vielleicht schon eine BB Cream oder eine getönte Tagescreme. Aber auch mit einem Concealer kann einiges abgedeckt werden.

Worauf muss man achten, wenn man seine Problemzonen abdecken oder retouchieren möchte?

Bei der punktuellen Abdeckung sollte das Produkt gut in die Haut eingearbeitet werden. Durch Auftupfen mit den Fingern werden nach und nach Schichten aufgetragen bis die gewünschte Deckkraft erreicht ist.

Bei einer großflächigeren Abdeckung im Gesicht verwende ich lieber einen Pinsel. Das Produkt wird mit dem Pinsel sparsam aufgenommen, mit kreisenden Bewegungen im Gesicht verteilt und mit sanften Pinselbewegungen ausgestrichen.

Wenn Camouflage – Make up eingesetzt wurde, ist ein Fixierpuder zu empfehlen, weil es dann besonders lang haltbar bleibt und sogar wasserfest wird.

Was sollte man auf keinen Fall tun?

Sehr wichtig ist, sich im richtigen Licht zu schminken. Das Ergebnis im künstlichen Licht des Badezimmers sieht bei Tageslicht oft anders aus. Besser wäre es also, sich bei Tageslicht zu schminken oder zumindest das Ergebnis bei Tageslicht zu überprüfen. Es gibt extra Leuchten, die Tageslicht erzeugen!

Vermeide einen zu dunklen Make up – Ton. Das sieht meist künstlich aus. Besser ist es, mit einem Bronzener oder Rouge die Wangen aufzufrischen, um einen natürlichen Look zu erzeugen. Auch harte Linien oder Striche solltest du vermeiden, egal ob nun um die Augen, Augenbrauen oder beim Rouge. Alle Linien sollten verblendet, also sanft ausgestrichen werden. Eine Ausnahme wäre ein schön exakt gezogener Lidstrich auf dem oberen Augenlid. Ein Klassiker und trotzdem immer modern!

Hier zwei Beispiele für ein dezentes Tages-Make up und einen mandelförmigen Lidstrich:

Tages – Make up

Mandelförmiger Liedstrich

Wie betont man den individuellen Ausdruck des Gesichts?

Betrachte dein Gesicht ganz genau. Was findest du schön und was möchtest du noch mehr betonen? Deine großen Augen? Deine vollen Lippen? Oder deine hohen Wangenknochen?
Betone das, was du besonders schön findest! Dadurch tritt das, was du vielleicht nicht so schön findest, in den Hintergrund. Ansonsten hat Schminken sehr viel mit Betonungen zu tun. Helle Betonung oder Farben heben hervor, dunkle Töne lassen Gesichtspartien zurücktreten. Auf diese Weise können eine Reihe von Wirkungen erzielt werden. Runde Gesichter wirken schmaler, eng stehende Augen weiter, breite Nasen schmaler und schmale Lippen voller. Hier befinden wir uns aber definitiv schon im Fortgeschrittenen-Status! Beginne langsam und taste dich an deinen individuellen Ausdruck heran, der dich unverwechselbar macht.

Das Interview führte Andrea Dehn-Hindenberg