Vergünstigungen für chronisch Kranke

Studien- und Ausbildungsplatzvergabe

Für Studienanfänger mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung gibt es die Möglichkeit, bei bundesweit zentral vergebenen Studiengängen Sonderanträge bei Hochschulstart (ehemals ZVS) zu stellen. Anträge auf Nachteilsausgleich bezüglich des Numerus clausus oder der Wartezeiten können zu einer Bevorzugung führen, ebenso ein Härtefallantrag auf sofortige Zulassung zum Studium bzw. einen bestimmten Studienort. Sie sichern dir nicht automatisch den gewünschten Studienplatz, aber erhöhen deine Chancen. Zur Beantragung benötigst du ein ärztliches Gutachten, dass es für dich beispielsweise wichtig ist, an einem bestimmten Ort zu studieren (z. B. Vorhandensein einer Spezialambulanz oder Nähe zu den betreuenden Eltern). Das Gutachten kann dein Facharzt ausstellen.

Bei Studienplätzen, die direkt über die Hochschule vergeben werden, gibt es häufig Sonderregelungen. Hier lohnt es sich, direkt bei der Hochschule nachzufragen und einen Sonderantrag zu stellen.

Bei Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, empfiehlt es sich, die Reha- Beratung der Agentur für Arbeit oder die Berufsbildungswerke anzusprechen. Berufsbildungswerke sind Einrichtungen, die sich auf die Berufsausbildung und -vorbereitung von Menschen mit Beeinträchtigung spezialisiert haben. Ihre Ausbildungspalette ist vielfältig und teilweise ist eine begleitende Internatsunterbringung möglich.

Finanzielle Unterstützung

Eine grundsätzliche Möglichkeit der finanziellen Unterstützung während der Ausbildung ist die Bundesausbildungsförderung (BAföG). BAföG bekommen nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende an privaten Schulen oder Akademien, bei denen Schulgeld bezahlt werden muss. Ob ihr BAföG bekommt, ist abhängig vom Einkommen der Eltern und von eurem eigenen. BAföG wird beim BAföG-Amt oder direkt beim Studentenwerk beantragt. Dort bekommt ihr auch Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen. Liegt eine Behinderung  vor, können bei der Berechnung größere Freibeträge gewährt werden. Außerdem kann die Regel-Ausbildungszeit und damit die Zeit des BAföG-Bezugs verlängert werden (Härtefallantrag).

Stipendien gibt es nicht nur für gute Leistungen, sondern auch für Personen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Stipendien für chronisch Kranke vergibt z.B. die Dr.-Willy-Rebelein-Stiftung und das Google Scholarship for Students with Disabilities. Die Stiftung Darmerkrankungen vergibt Stipendien für Akademiker mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und fördert die künstlerische und berufliche Aus- und Weiterbildung.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) möchte mehr Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung zum Auslandsstudium ermutigen. Im Rahmen des ERASMUS-Programms können Studierende für einen Auslandsaufenthalt Zuschüsse zum Beispiel zu den Wohnkosten, für Assistenzen oder Fahrkosten erhalten.

Am besten gibst du deine Daten bei www.mystipendium.de ein und prüfst, was für dich in Frage kommt. 

Integrationshilfen und Nachteilsausgleiche

Sollte der Einstieg in die Ausbildung oder Berufstätigkeit aufgrund der Erkrankung problematisch sein, kann Kontakt zum regionalen Integrationsamt aufgenommen werden (www.integrationsaemter.de). Es kann einem Arbeitgeber u.a. finanzielle Zuschüsse für die Einrichtung eines Arbeitsplatzes oder für die Lohn- und Ausbildungskosten von jungen Menschen mit Schwerbehinderung gewähren. Zudem hat es qualifizierte Fachberater, die bei der Eingliederung am Arbeitsplatz helfen. Voraussetzung dafür ist ein Grad der Behinderung von mindestens 50.

Für Studierende ist die Schwerbehindertenberatung der Hochschule Ansprechpartner. Sie gibt Informationen darüber, welche Nachteilsausgleiche während des Studiums möglich sind. Der Nachteilsausgleich umfasst je nach Bedarf z.B. die Verlängerung von Prüfungszeiträumen, Klausuren oder Hausarbeiten, das Erbringen von alternativen Leistungsnachweisen oder die Gewährung von Integrationshilfen wie Büchergeld und persönliche Assistenz. Das BAföG kann aufgrund der chronischen Krankheit über die Förderhöchstdauer hinaus gewährt werden.

Weitere Informationen rund um das Studium und eure Möglichkeiten als chronisch Kranke findet ihr unter www.studentenwerke.de

Nützliche Tipps können auch die Selbsthilfeorganisationen geben!