Bewerbung: Wer bin ich?

Sobald du dich für einen Beruf entschieden hast bzw. die Ausbildung abgeschlossen hast, steht dir die nächste Hürde bevor: die Bewerbungen!

Schriftliche Bewerbung

Bei einer schriftlichen Bewerbung muss die chronische Krankheit nicht erwähnt werden. Du bist nicht verpflichtet, Krankheiten oder Behinderungen in deiner Bewerbung anzugeben, auch nicht das Vorliegen eines Schwerbehinderten-Ausweises. Vielmehr solltest du dich möglichst gut verkaufen, denn deine schriftliche Bewerbung hinterlässt den ersten Eindruck von dir. Hierfür solltest du dein Interesse an der angebotenen Stelle begründen und die Fähigkeiten betonen, die dich besonders für die Stelle qualifizieren. Ob deine Krankheit dazu gehört, ist eher fraglich. Aus Angst vor Vorurteilen verschweigen viele ihre Erkrankung lieber.

Vorstellungsgespräch

Wenn du mit deiner Bewerbung überzeugen konntest, wirst du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In dem Gespräch geht es dem Arbeitgeber darum, dich kennenzulernen. Für den Arbeitgeber ist wichtig, ob du mit deiner Persönlichkeit und deinen Fähigkeiten zu der ausgeschriebenen Stelle passt. Sei dafür einfach du selbst. Man kann sich in einem Vorstellungsgespräch verstellen, aber nicht 6 Monate lang – so lange dauert in der Regel die Probezeit. Aber selbstverständlich sollst du dich von deiner besten Seite zeigen und die Eigenschaften  betonen, die dem potentiellen Arbeitgeber wichtig sind.

Die chronische Erkrankung muss nicht erwähnt werden, solange sie dich nicht in deiner Arbeitsleistung beeinträchtigt und keine Relevanz für die Berufsausübung hat. Der Arbeitgeber darf nur in Ausnahmefällen nach Erkrankungen fragen. Solltest du dennoch gefragt werden, darfst du lügen, wenn dich die Erkrankung nicht beim Arbeiten einschränkt. Wenn allerdings Einschränkungen bestehen und die Lüge herauskommt, ist das ein Grund für eine fristlose Kündigung.

Bei Bewerbungsgesprächen gilt eine eingeschränkte Offenbarungspflicht!

Ob es sinnvoll ist, das Arbeitsverhältnis auf einer Lüge aufzubauen, ist fraglich. Wäge genau ab, welche Vorteile dir das Verheimlichen bringt und welche Vorteile die Wahrheit hat. Vermutlich wird dir ein offenes Ansprechen positiv angerechnet. Eine selbstbewusste Antwort zeigt, dass du dich damit beschäftigt hast, dass du weißt, wie du mit deiner Krankheit umzugehen hast und dass sie für dich eine Selbstverständlichkeit ist, die im Alltag nicht weiter stört. Vielleicht hast du auf Grund der Erkrankung sogar Fähigkeiten, die dich zusätzlich für den Job qualifizieren wie Zuverlässigkeit, Selbständigkeit und Konsequenz. Eine Antwort auf die Frage nach Krankheiten könnte z. B. sein: „Ich habe die Krankheit X seit Geburt. Ich habe meine Therapie gut im Griff, sodass es meine Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt. Sie müssen sich also keine Sorgen machen.” Manchmal kann es für einen Arbeitgeber sogar finanziell interessant sein, einen Kandidaten mit Behinderung einzustellen. Bei einer Schwerbehinderung (Grad der Behinderung mind. 50) gibt es besondere Fördermöglichkeiten und Zuschüsse (s. Förderungen und Vergünstigungen für chronisch Kranke).

In diesem Fall kann es sinnvoll sein, den Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch darauf hinzuweisen. Ebenso im öffentlichen Dienst, hier werden Bewerber mit Schwerbehinderung bei gleicher Qualifikation bevorzugt (Gleichstellungsgesetz). Auch eine Verbeamtung ist mit einer chronischen Erkrankung möglich, solange man die Anforderungen des Berufes erfüllen kann.

Betriebsärztliche Untersuchung

Vor der Einstellung muss man sich manchmal bei einem Betriebsarzt vorstellen. Bei dem Termin wird überprüft, ob du in Bezug auf die Anforderungen der Stelle geeignet bist. Gegenüber dem Betriebsarzt besteht eine Offenbarungspflicht, d. h. der Arzt muss über alle relevanten Erkrankungen informiert werden. Der Betriebsarzt unterliegt jedoch der Schweigepflicht. Das bedeutet, dass er die Informationen nicht an den Arbeitgeber weitergeben darf. Am Ende erstellt der Betriebsarzt ein Gutachten, in dem er einschätzt, ob es Bedenken hinsichtlich deiner Einstellung gibt. Das Gutachten enthält keine Details zu deinem Gesundheitszustand.

Bei der Einstellungsuntersuchung gilt Offenbarungspflicht. Der Arzt unterliegt jedoch der Schweigepflicht!