Berufswahl: Was will ich werden?

Die Entscheidung für den richtigen Beruf ist nicht einfach. Auch wenn man heutzutage selten ein Leben lang in dem gleichen Job arbeitet, legt man sich mit der Ausbildung, die man wählt, ziemlich fest. Nimm dir also ausreichend Zeit, um einen Beruf auszuwählen,  bei dem du deine Fähigkeiten optimal nutzen kannst, Spaß an der Arbeit  und eine Zukunftsperspektive hast.

Was kann ich?

Die eigenen Interessen und Fähigkeiten sind für die Berufswahl am wichtigsten.
  • Wo liegen meine Interessen? Welche Fächer mag ich in der Schule am liebsten? Was mache ich in der Freizeit gerne?
  • Wo liegen meine Fähigkeiten? Was kann ich gut in Schule oder Freizeit (reden und andere überzeugen, technische Geräte reparieren, anderen etwas erklären, mit dem Computer umgehen, kleine Kinder betreuen etc.)?
  • Welche Wünsche habe ich an meine Arbeit und an mein Leben? Was ist mir wichtig?
  • Will ich am Schreibtisch sitzen oder lieber körperlich aktiv sein?
  • Arbeite ich lieber alleine, auf mich gestellt oder mit anderen zusammen?
  • Übernehme ich gerne Verantwortung oder ist es mir lieber, wenn mir jemand sagt,
    was ich machen soll?
  • Wie viele Stunden kann und will ich pro Woche arbeiten: 20, 40 oder 60?
  • Wie wichtig ist mir der Verdienst? Bin ich bereit, mich für ein gutes Gehalt stärker zu engagieren?

Studium oder Ausbildung?

Zudem spielt die Ausbildungsform eine Rolle. Der Schulabschluss grenzt den Weg ein, aber auch mit Mittlerer Reife ist ein (späteres) Studium möglich und viele Abiturienten machen eine Ausbildung.
  • Kann ich mir nach der langen Schulzeit vorstellen, noch ein Studium anzuhängen, oder will ich lieber in einer Ausbildung praktische Erfahrungen sammeln? Ein duales Studium bietet beispielsweise eine Kombination aus betrieblicher Ausbildung und Studium.
  • Wie gut kann ich eigenverantwortlich lernen, so wie es die meisten Unis verlangen? Etwas praktischer, aber auch „verschulter“ geht es an den Fachhochschulen und Berufsfachschulen/-akademien zu.
  • Wie stehen meine Chancen, einen Studien- bzw. Ausbildungsplatz zu bekommen (Noten, Wartesemester, Andrang etc.)?
  • Wie sieht es mit finanziellen Aspekten aus: Ist es mir wichtig, schnell eigenes Geld zu verdienen und finanziell unabhängig zu sein? Würden mir meine Eltern ein Studium finanzieren oder gibt es andere Finanzierungsmöglichkeiten?

Risiken? Einschränkungen?

Erst jetzt sollte die Frage nach der Erkrankung kommen
  • Existieren rechtliche Einschränkungen oder Bestimmungen, die für mich gelten?
  • Bestehen gesundheitliche Risiken, die bestimmte Berufe ausschließen?
  • Gibt es andere Besonderheiten durch meine Erkrankung, die ich bei der Berufswahl beachten sollte (z.B. schnelle Ermüdbarkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Bedarf an Pausen)?

Rechtliche Situation

Eindeutige rechtliche Verbote, die sich aus gesundheitlichen Beeinträchtigungen ergeben, sind heute verglichen mit der Vergangenheit selten. Bei bestimmten Berufen, von denen die Sicherheit anderer Menschen abhängig ist, werden jedoch besonders hohe Anforderungen an die körperliche Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Bewerber gestellt. Dazu gehören Berufsfeuerwehr, Polizei, Bundeswehr, berufliche Personen- oder Lastenbeförderung (Busfahrer, Pilot, Lokführer oder Kapitän), Flugsicherung und Zoll. Hier können sich Einschränkungen durch eine chronische Erkrankung wie Diabetes oder Epilepsie ergeben. Ausnahmen sind jedoch möglich. Selbst für Verbeamtungen (Anstellungen im öffentlichen Dienst) sind chronische Krankheiten kein Ausschluss mehr.

Allerdings solltest du dir überlegen, ob wirklich jeder Beruf sinnvoll ist (z.B. Koch bei PKU oder Zöliakie; Bäcker, Chemielaborant oder Lackierer bei Asthma; Kindergärtnerin oder Krankenschwester bei CF) und ob du dich den Anforderungen und körperlichen Belastungen des Berufs gewachsen fühlst (z. B. Schichtdienst bei CED und Diabetes). Wenn Probleme abzusehen sind, ist das kein zwingendes Ausschlusskriterium (s. auch Erfahrungsbericht). Manches ist mit etwas Kreativität zu lösen.

Wenn du dies alles bedacht hast, kannst du überlegen, welcher Beruf zu möglichst vielen der oben genannten Punkte passt. Diskutiere deine Wahl auch mit anderen, z.B. mit deinen Eltern, deinem Arzt, der Berufsberatung der Arbeitsagentur oder der Sozialberatung in der Reha. Vielleicht kannst du auch ein Praktikum machen, damit du herausfindest, wie der Alltag in dem Beruf tatsächlich aussieht.

Eignungs- und Interessentests, viele - auch ausgefallene - Berufe und weitere Tipps findest du unter:

Bei der Berufswahl sollte die chronische Erkrankung im Hintergrund stehen. Es gibt deutlich weniger Einschränkungen, als man denkt.