Interview “4 von 10 haben beim Wechsel Probleme”

Jana Findorff betreut im Rahmen des Berliner Transitions – Programms der DRK Kliniken Berlin seit einigen Jahren Jugendliche beim Wechsel in die Erwachsenenmedizin.

Frau Findorff, warum ist eine gute Vorbereitung des Arztwechsels so wichtig?

Kinder- und Jugendspezialisten übernehmen die Betreuung von chronisch kranken Jugendlichen in der Regel nur bis zum 18. Geburtstag, danach ist dies nur in seltenen Ausnahmefällen noch möglich. Der Übergang in die Erwachsenenmedizin, auch Transition genannt, ist für viele Jugendliche kein leichter Prozess, oftmals funktioniert er nicht reibungslos. 4 von 10 Jugendlichen haben während dieser Zeit massive Probleme. Nach dem Wechsel gehen sie beispielsweise aus unterschiedlichen Gründen nur noch sehr selten zum Arzt (der meist ein Erwachsenenspezialist sein muss) und haben somit keine ausreichende medizinische Betreuung mehr. Chronische Erkrankungen, wie z.B. Typ-1-Diabetes, sind zwar nicht heilbar, man kann aber bei guter Behandlung in vielen Bereichen ein ganz normales Leben führen. Wird die Therapie vernachlässigt oder unterbrochen, kann es zu akuten Problemen kommen, langfristig können dauerhafte Schädigungen auftreten.

Die Transition sollte daher vom Kinder- und Jugendspezialisten gemeinsam mit den Jugendlichen so geplant werden, dass ausreichend Zeit für die Vorbereitung bleibt. Es ist wichtig, die Zeit vor dem Arztwechsel zu nutzen, um nach und nach eine Selbständigkeit im Umgang mit der Erkrankung zu üben und zu übernehmen.

Was sind die größten Schwierigkeiten und Probleme, von denen die Jugendlichen berichten?

Als problematisch bei der Transition werden von den Jugendlichen und ihren Eltern Unterschiede des Betreuungsstils und der Atmosphäre empfunden. So ist in der Sprechstunde oft weniger Zeit für Gespräche, als es die Jugendlichen gewöhnt sind. Persönliche und familiäre Themen werden nicht so oft angesprochen. Es wird erwartet, dass der Patient selber mitteilt, was für ihn wichtig ist. Eine größere Selbständigkeit und Zuverlässigkeit im Umgang mit der Erkrankung (genaue Kenntnisse des eigenen Krankheitsverlaufes, der verwendeten Medikamente und Hilfsmittel, selbständiges Ansprechen von Problemen oder Hilfebedarf, Einhalten von Sprechstundenterminen etc.) werden vorausgesetzt. So ist es z.B. in der Erwachsenenmedizin eher unüblich, einem Patienten bei nicht eingehaltenem Termin hinterher zu telefonieren. Bei der üblichen Terminknappheit kann dann nach einem versäumten Termin manchmal eine ziemlich lange Zeit bis zum nächsten Termin vergehen.

Wie können sich Jugendliche gut auf den Wechsel vorbereiten?

Die Jugendlichen sollten sich gedanklich auf diesen Wechsel einstellen und sich überlegen: „Was ändert sich eventuell für mich, und was habe ich für Fragen dazu?“ Im Gespräch mit dem Kinder- und Jugendspezialisten können alle anfallenden Fragen besprochen werden. Bei diesem Gespräch kann überlegt werden, wo weiterer Informationsbedarf besteht oder wo noch einmal eine Beratung stattfinden sollte. Mittlerweile werden auch Schulungen und Workshops zum Thema Transition angeboten. Diese Angebote können genutzt werden, um sich umfassend zu informieren.

Vielen Dank für das Interview!