Quer durch Asien mit Diabetes

Wenn man seine Freunde fragt, was sie nach der Schule machen wollen, antworten viele, dass sie erst mal auf Reisen gehen möchten. Es gibt ja auch genügend Möglichkeiten: Au Pair, Work & Travel oder ein FSJ. Vielleicht hast du dir darüber auch schon mal Gedanken gemacht. Es kann ein bisschen beängstigend erscheinen, so lange in einem fremden Land zu sein, schon ohne eine chronische Erkrankung, aber mit können natürlich noch mehr Zweifel aufkommen. Auch ich hatte anfangs Ängste wegen meines Diabetes, aber dennoch beschloss ich, für neun Wochen durch Südostasien zu reisen. Da ich nicht alleine reisen wollte und alle meine Freunde schon mit dem Studium angefangen hatten, habe ich eine super nette Reisepartnerin im Internet gefunden. Ich habe ihr auch gleich nach ein paar Skypetelefonaten von meiner Krankheit erzählt. Sie hatte gar kein Problem damit und war sehr offen für das Thema. Ich würde jedem empfehlen, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe zu reisen. Man ist erstens nicht so einsam und wenn mal etwas schief geht – was garantiert nicht nur einmal der Fall sein wird - ist man nicht alleine und kann sich gegenseitig helfen oder aufmuntern. Und natürlich ist es auch wesentlich sicherer. Wir sind zum Beispiel in Malaysia durch tiefsten Urwald gewandert und wenn dort etwas passiert wäre, ich beispielsweise eine Hypo bekommen hätte, wäre es alleine sehr gefährlich gewesen.

Wenn man so eine Reise plant, muss natürlich vieles vorweg geregelt werden. Man muss zum Arzt gehen und sich erkundigen, wogegen man geimpft werden sollte. Damit sollte man früh genug anfangen, da manche Impfungen aus mehreren Teilimpfungen bestehen und sich deswegen über einen längeren Zeitraum hinziehen. Zudem darf man nicht vergessen, genug Medikamente mitzunehmen, da es immer mal vorkommen kann, dass etwas kaputt oder verloren geht, oder auch geklaut wird. Mir wurde beispielsweise ein Messgerät auf der „legendären“ Fullmoonparty in Thailand gestohlen. Die Diebe hatten es wohl für ein Portemonnaie gehalten. Gut, dass ich noch zwei weitere mit im Gepäck  hatte.
In meinem Fall musste ich auch Kühltaschen mitnehmen, da in Asien durchschnittlich 35 Grad herrschten und diese Hitze das Insulin schädigen könnte. Das ist alles aber gar kein Problem. Manche Hostels hatten sogar Kühlschränke in den Zimmern. Am Anfang scheint die ganze Vorbereitung ziemlich umfangreich und lästig zu sein, aber dafür ist eine solche Reise auch etwas Unvergessliches.

Unsere Reise ging durch Thailand, Malaysia und Indonesien und nirgendwo gab es irgendwelche Schwierigkeiten. Ich konnte auch alles machen, was ich ohne die Krankheit gemacht hätte. Wir waren surfen, haben uns durch den Regenwald gekämpft und einen Vulkan bestiegen. Die Krankheit schränkt dich nicht ein. Und falls mal etwas passieren sollte, wäre auch immer ein Arzt oder ein Krankenhaus in der näheren Umgebung gewesen. Die medizinische Versorgung ist wirklich ziemlich gut in diesen Ländern. Es war wesentlich unkomplizierter, als ich anfangs gedacht hatte.

Ich kann so eine Reise nur jedem empfehlen, da es ein einmaliges Abenteuer ist. Man lernt viel über andere Länder und Kulturen, aber auch über sich selbst. Und wann hat man später noch mal so viel Zeit und keine Verpflichtungen wie nach der Schule?