Nur eine Chance mit Epilepsie

Also schön, wo fang ich am besten an?
Ich bin eine junge Frau von 30 Jahren. Wie viele Menschen leide ich an Epilepsie. Meine Anfälle habe ich ziemlich gut im Griff. Ich hab gelernt, mit ihnen zu leben. Aber ich hab auch gemerkt, dass ich sie steuern kann. Nein, steuern ist das falsche Wort. Vorbeugen! Ja genau, vorbeugen! Ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich gegen viele Sachen allergisch bin, z.B. gegen Cola und Fanta. Diese Getränke sind zwei richtige Giftmittel für mich. Wenn ich zu viel davon trinke, bekomme ich einen Anfall. So kann ich aus meinen Fehlern lernen und vorbeugen.
Auch Schlafmangel spielt eine große Rolle. Ich glaube, dieses Problem haben viele Betroffene. Wenn ich z.B. weiß, dass am nächsten Tag eine Feier ist, die bis in die Nacht dauern könnte, mache ich einen Mittagsschlaf oder gehe früher ins Bett.

Ich habe eine 3jährige Ausbildung im Berufsbildungswerk des Rehabilitationskrankenhauses Ulm als Bürofachkraft gemacht. Da man dort nur ausbildet, war eine Übernahme nicht möglich. Trotz eines guten Zeugnisses war es sehr schwer für mich, eine Stelle zu finden. Ich vermute, weil ich noch keine Berufserfahrung habe, das wurde mir jedenfalls immer wieder bei Vorstellungsgesprächen gesagt. Aber gerade da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wie soll man Berufserfahrungen sammeln, wenn man keine Chance bekommt, in einem Betrieb zu arbeiten. Das ist ein Teufelskreis, der nicht zu durchbrechen ist und an dem man etwas ändern muss. (…)

 Dennoch habe ich ein Ziel vor Augen: nämlich eine feste Anstellung zu finden. Und ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, etwas Neues, etwas Festes zu bekommen.
Ich glaube, dass jeder Mensch Ziele braucht, ob mit oder ohne Krankheit. Wenn man Ziele vor Augen hat, ist das Leben leichter zu bewältigen. Es muss gar nicht groß sein, wie sich ein Haus oder ein teures Auto zulegen zu können. Es sind die kleinen Dinge, die im Leben zählen und auf die man zusteuern sollte. (…)

Was ich wünsche? Dass es mehr Chefs gäbe, die auch Menschen mit Epilepsie eine Chance geben. Denn das ist, was wir brauchen:

NUR EINE CHANCE!

"Jeder Mensch braucht Ziele" von Elke Reinhold, 30 Jahre; erlernter Beruf: Bürfofachkraft; derzeit arbeitslos und auf Arbeitsuche.
Aus Susanne Rudolph (Hrsg.): "Sag ich's oder sag ich's nicht - Vom beinahe fast normalen Arbeitsleben junger Menschen mit Epilepsie"

Kostenfreie Bestellung: info@junger-treffpunkt-epilepsie.de