Mein Kumpel leidet an Morbus Chron

Ich bin 20 Jahre alt und habe das Glück, bisher immer gesund gewesen zu sein. Meinen Kumpel Philip, der an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn erkrankt ist, habe ich zu Beginn unserer Ausbildung in der Berufsfachschule kennengelernt.

Mir fiel natürlich gar nicht auf, dass er krank war. Lange Zeit erzählte er auch nichts davon. Wir redeten darüber, wo wir herkamen, wo wir wohnten und welche Erwartungen wir an die Ausbildung hätten. Er war ein cooler Typ: sportlich, gutaussehend, hatte die gleichen Interessen wie ich, spielte Fußball und wir kamen unheimlich gut miteinander klar. Wir trafen uns auch in der Freizeit zum Kicken oder Computer spielen und meldeten uns gemeinsam im Fitnessstudio an. Was mir schnell auffiel: Philip war ein Ernährungs-Profi. Er achtete  genauestens darauf, was er aß. Ich bin zugegeben eher der leidenschaftliche Dosen-Ravioli- und Tiefkühlpizza-Fan. Er hingegen ging frisch einkaufen und kochte echt leckere und gesunde Sachen. Manchmal hielt ich ihn für einen Gesundheitsfreak. Er rauchte nicht und auch was Alkohol betraf, schien er sehr diszipliniert zu sein.

 Außerdem war er echt zuverlässig, doch irgendwann kam Philip nicht zur Schule, mitten in der Klausurenphase, ohne Bescheid zu sagen. Normalerweise schickte er immer eine WhatsApp, wenn er verpennt hatte. Ich rief ihn an und fragte, was los sei. Ich erschrak, als er sagte, er läge im Krankenhaus. Philip hatte mir nichts von seiner Krankheit erzählt, doch als er einen „Schub“ seiner Darmerkrankung bekam, legte er die Karten auf den Tisch. Ihm war es deutlich unangenehm zu erzählen, dass in seinem Magen-Darm-Trakt etwas nicht stimmt. Schmerzen, Durchfall, Unwohlsein bestimmten seinen Alltag. Und plötzlich machte alles für mich Sinn. Seine penible Ernährung, dass er das Bier nach dem Training ablehnte, dass er sich immer an den Rand setzte, damit er mal schnell „raus – telefonieren“ konnte… Er musste dann auf die Toilette und das hatte er immer perfekt verheimlicht.

 Durch den Prüfungsstress (noch dazu war er gerade umgezogen) hatte sich seine Krankheit von ihrer fiesen Seite gezeigt. Er hatte so starke Krämpfe bekommen, dass sein Arzt ihn gleich ins Krankenhaus überwies. Als Philip merkte, dass ich völlig cool und eher besorgt auf seine Erkrankung reagierte, redete er gleich viel offener. Er scherzte richtig darüber, wie nervig es sei, immer ans Klo gebunden zu sein und ständig einen „Pott“ in der Nähe haben zu müssen. Nach ein paar Tagen und vielen Untersuchungen durfte Philip wieder nach Hause und kurz nach der Entlassung stand er schon wieder mit mir auf dem Fußballplatz.

 Ich kann verstehen, dass Philip nicht mit jedem darüber reden wollte, aber ich finde, mir als gutem Freund hätte er es ruhig sagen können. Ich finde es erstaunlich und beneidenswert, wie er damit umgeht und dazu noch so ein super Sportler ist. Ich find´s stark, einen Freund wie ihn zu haben….egal, wie oft er „auf den Pott“ muss.