Mein Freund, mein Diabetes & ich

Vor 2 Jahren habe ich mich in meinen heutigen Freund verliebt. Ich traf ihn zum ersten Mal auf einem Sommerfest. Anfangs fand ich ihn einfach nur „ganz nett“.  Je näher wir uns kennenlernten, desto "netter" fand ich ihn.

Ich wusste nicht, ob es einen besonders guten Zeitpunkt gäbe, ihm von meiner Krankheit zu erzählen. Ich leide seit etwas mehr als 6 Jahren am Typ 1 Diabetes. Bevor ich ihn kennenlernte, habe ich mir oft den Kopf darüber zerbrochen, ob mein Partner jemals akzeptieren wird, dass ich nicht ganz gesund bin und kleine Besonderheiten mitbringe. Letztendlich ergab sich aber alles von ganz allein. Ich fasste schnell Vertrauen zu ihm und fühlte mich so wohl in seiner Gegenwart, dass ich nicht wirklich zögerte, ihm davon zu erzählen. Wider Erwarten reagierte er total super und war sogar richtig neugierig. Natürlich verstand er nicht alles auf einmal, was ich ihm über den Diabetes und meine Insulinpumpe erklärte. Was ich jedoch besonders süß fand: Bei unserem nächsten Treffen hatte er sich ordentlich schlau gelesen, präsentierte mir stolz, was er sich alles angelesen hatte, und löcherte mich gerade zu mit Fragen. Die erste Hürde war also problemlos geschafft.

Trotzdem kamen komische Gedanken und ein Gefühl des Unwohlseins in mir auf, als wir uns auch körperlich immer näher kamen. Ich bin nicht immer besonders fleißig darin gewesen, die Einstichstelle meiner Insulinspumpe bzw. des Insulinpens zu wechseln. Durch meine Faulheit hatte ich mit einer körperlichen Gegenreaktion die Quittung bekommen. Mit der Zeit hatten sich hässliche Knubbel und kleine Verhärtungen an Bauch und Oberschenkeln gebildet. Außerdem bildeten sich immer wieder unschöne kleine blaue und rote Flecken auf der Haut. Durch das Insulin habe ich zudem immer mehr an Körpergewicht zugelegt.

All diese Makel schwirrten mir im Kopf herum, während wir auf meinem Bett lagen und mein Freund mir zum ersten Mal das T-Shirt hochzog. Aber auch hier stellte sich heraus, dass ich keinen Grund hatte, nervös zu sein. Auch die Sorge, dass die Pumpe beim Sex stören könnte, war schnell beseitigt. Mein Arzt meinte, man könne sie problemlos für eine Stunde abkoppeln, ähnlich wie beim Sport oder Schwimmen. Er war ohnehin sehr locker, als er mir erklärte, ich müsse  Sex wie sportliche Aktivität bei der Berechnung des Insulinbedarfs berücksichtigen.

 Letztendlich habe ich gelernt, dass der Diabetes mit der Liebe meines Freunds nichts zu tun hat. Ich würde sogar behaupten, dass er besonders gut auf mich aufpasst. Manchmal nervt er mich sogar mit seiner Überfürsorglichkeit. Er ist strenger mit mir, als ich mit mir selbst. Aber ich habe in ihm jemanden gefunden, der mir mein Leben und meine Krankheit sehr viel leichter macht.