Medizinstudium mit Mukoviszidose

Ich bin 22 Jahre alt und habe Mukoviszidose [auch Cystische Fibrose oder kurz CF genannt]. Seit 3 Jahren studiere ich Medizin. Dazu bin ich von Zuhause von zuhause ausgezogen.

Da ich mich um meine Therapie schon länger weitgehend selbst gekümmert habe, war der Auszug keine große Umstellung für mich.

Seit ich alleine wohne, kümmere ich mich selbst um die Reinigung der Inhaletten und muss zusehen, dass ich ausreichend Medikamente zur Verfügung habe. Beim Planen, wie viel ich für die nächsten Monate brauche, hilft mir meine Mutter aber immer noch, weil sie mit den Packungsgrößen besser vertraut ist. 

Eine neue Physiotherapeutin wollte ich nicht.

eine Physiotherapeutin kennt mich mittlerweile seit 18 Jahre. Ich wollte sie daher nicht wechseln.  Ich habe nun keine regelmäßigen Termine mehr, sondern melde mich bei ihr, wenn es sich zeitlich arrangieren lässt. Meine Atemtherapie führe ich selbstständig durch.

Im Notfall hilft mir meine Mutter.

Kurz nach Beginn meines Studiums brauchte ich eine i.v.-Therapie. Diese wollte ich nicht so gerne alleine und während der Vorlesungszeit machen, sodass ich bis zu den Weihnachtsferien gewartet und sie mit Unterstützung meiner Mutter durchgeführt habe. Mittlerweile würde ich es sicherlich auch alleine bewerkstelligen können. Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich jedoch weiter die Hilfe meine Mutter in Anspruch nehmen.

Arztbesuche unternehme ich alleine, jedoch halte ich meine Mutter immer auf dem Laufenden und frage bei vielen Dingen um Rat.

 Seit vielen Jahren besuche ich abwechselnd die CF-Ambulanzen am neuen und an alten Wohnort.

Der Wechsel von der Pädiatrie zur Erwachsenenmedizin ist mir s sehr schwer gefallen.

Ich habe mich bei sämtlichen Kinderärzten sehr viel besser aufgehoben gefühlt, da sie gründlicher untersucht, meine Anliegen immer ernst nehmen und sich sehr viel mehr Zeit genommen haben.

Meine Erfahrungen mit der neuen CF-Ambulanz sind eher negativ. Der einzige Erwachsenenmediziner, mit dem ich wirklich zufrieden bin, ist mein Pneumologe [Lungenfacharzt] zuhause, sodass ich mich mit Ambulanzbesuchen immer noch abwechsle, auch wenn das mehr Aufwand bedeutet.

Seit ich volljährig bin, soll ich sehr viel seltener Antibiotika nehmen. Dadurch geht es mir ehrlich gesagt besser. Die Antibiotika haben meistens nur kurz eine Besserung bewirkt, hatten dafür aber Nebenwirkungen.

Seit dem ich angefangen habe, meine Erkrankung zu akzeptieren, gehe ich recht offen damit um.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel einfacher ist, einmal zu erklären, warum ich zum Beispiel oft husten muss, als jedes Mal Bemerkungen wie „Raucherhusten“ oder Ähnliches zu ernten. Außerdem ist es weniger aufwendig, Kreon offen nach dem Essen am Tisch zu nehmen, als es heimlich zu tun. Am Medizinstudium sehr angenehm ist, dass ich nicht einmal mehr erklären musste, was CF überhaupt ist, weil es den meisten aus den Vorlesungen schon etwas sagte.

Der Umgang mit Patienten  auf Station funktioniert gut. Allerdings versuche ich, die Zimmer von Problemkeim-besiedelten Patienten zu umgehen.

Ich habe bisher aus dem Krankenhaus keine Infektionen „mitgenommen“ und auch sonst hatte ich im Studium bislang keinen durch meine Erkrankung bedingten Nachteil.