Man hat nie Pause vom Diabetes

1. Wann hast du deine Diagnose bekommen?

Im Dezember 2006, da war ich fast 15 Jahre alt.

2. Wie hast du dich dabei gefühlt?

Zunächst wusste ich nicht genau, was die Diagnose nun bedeutet, da ich niemanden mit der Krankheit kannte und Diabetes mir nur als „Krankheit von alten Leuten“ bekannt war.
Als ich dann die Reaktion meiner Mutter gesehen habe und gehört habe, dass ich sofort für eine Woche ins Krankenhaus muss, war ich verunsichert. Als mir klar wurde, dass die Krankheit nicht heilbar ist und man nicht "nur" Tabletten nehmen muss, war ich erst einmal überrumpelt.

3. Wie ist es dann weitergegangen?

Ich bin zunächst für etwa eine Woche ins Krankenhaus gekommen, mein Blutzucker wurde eingestellt und ich geschult, d.h, ich habe gelernt, wie viel ich wann spritzen muss, wie man spritzt, wie die Kohlenhydrat-Einheiten berechnet werden und worauf man sonst noch achten muss. Nach dem Krankenhausaufenthalt musste ich im ersten Jahr noch alle sechs Wochen zu meiner Ärztin zur Kontrolle.

4. Was stört dich an deiner Erkrankung? Fühlst du dich dadurch ausgebremst in irgendeiner Hinsicht?

Mich stört, dass es eine Krankheit ist, an die man 24h am Tag denken muss.
Alles, was ich mache, muss ich meiner Insulin-Einstellung anpassen - sei es Sport, abends weggehen, mal länger schlafen etc. Man hat nie mal "Pause" von der Krankheit. Außerdem muss ich immer daran denken, meine "Ausrüstung", also die Spritzen, genug Insulin, Nadeln, genug Teststreifen und das Messgerät dabei zu haben. Vergesse ich mal eine Sache, geht es mir schnell schlecht und ich muss nach Hause die Sachen holen.

Was mich weiterhin stört, ist die große Unwissenheit über meine Krankheit. Meist ist lediglich Diabetes Typ 2 als Diabetes bekannt (so wie bei mir selber zum Zeitpunkt meiner Diagnose ja auch). Als Diabetiker gilt man dann als jemand, der sich zuvor zu ungesund, zu süß ernährt hat und selbst Schuld ist, krank zu sein. Für mich ist außerdem sehr belastend, dass der Zuckerspiegel so schnell an- und absteigen kann. Unterzuckerungen, vor allem beim und nach dem Sport oder nachts sind sehr anstrengend. Aber auch die Überzuckerungen und die damit verbundene Müdigkeit und Schlappheit. Dadurch fühle ich mich häufig ausgebremst und habe Schwierigkeiten, den Alltag ohne z.B. Mittagsschlaf zu bewältigen.

5. Hast du Tipps, die dir weitergeholfen haben und die du weitergeben möchtest?

Kurz nach meiner Diagnose hat meine Klinik eine Ski-Fahrt für alle jugendlichen Diabetiker, die von dieser Klinik betreut wurden, veranstaltet. Es hat mit sehr geholfen, mich auszutauschen und Tipps von anderen zu bekommen.

6. Dein Schlusswort..?

"Also eigentlich musst du doch nur ein bisschen Insulin für dein Essen spritzen - ist ja nicht so schlimm, oder?!" hatte eine Bekannte von mir mal gesagt. Für die meisten Unbeteiligten bleibt einfach verborgen, dass mit dieser Krankheit so viel einhergeht, dass so viel mit dem Blutzucker zusammenhängt, z.B. dass das Immunsystem geschwächt ist und man sehr anfällig für Infektionen wird. Es ist eine sehr einnehmende Krankheit, und noch heute, fast sieben Jahre nach meiner Diagnose, frage ich mich mehrmals am Tag, warum gerade ich diese Krankheit bekommen habe. Andererseits sieht man es einem Diabetiker nicht an, dass er krank ist, was ich sehr von Vorteil finde. Trotzdem ist es aus meiner Sicht eine enorme Belastung Tag für Tag. Ich bin aber zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren die Forschung noch weit voran schreiten wird, weil die Krankheit so weit verbreitet ist.