Man hat nie Pause vom Diabetes

1. Wie hast du dich gefühlt, als du deine Diagnose bekommen hast?

Ich war 15 Jahre alt, als ich die Diagnose Diabetes bekam. Zunächst wusste ich nicht genau, was das bedeutet. Ich dachte, Diabetes ist eine „Krankheit von alten Leuten“.

Als ich dann die Reaktion meiner Mutter gesehen habe und gehört habe, dass ich  eine Woche im Krankenhaus bleiben muss, hatte ich Angst. Als mir klar wurde, dass die Krankheit nicht heilbar ist und man nicht einfach ein paar Tabletten nehmen muss, war ich total überrumpelt.

2. Wie ist es dann weitergegangen?

Ich war zunächst für eine Woche im Krankenhaus. Mein Blutzucker wurde eingestellt und ich geschult, d.h. ich habe gelernt, wie viel ich wann spritzen muss, wie man spritzt, wie die Kohlenhydrat-Einheiten berechnet werden und worauf man sonst noch achten muss.

3. Was stört dich an deiner Erkrankung?

Mich stört, dass es eine Krankheit ist, an die man 24h am Tag denken muss.
Egal, was ich mache, ich muss meine Insulin-Einstellung anpassen – sei es Sport, abends weggehen oder mal länger schlafen. Man hat nie “Pause”.

Außerdem muss ich immer daran denken, meine Ausrüstung, also Pen, Insulin, Teststreifen und das Messgerät dabei zu haben. Vergesse ich mal eine Sache,  muss ich nach Hause die Sachen holen.

Was mich weiterhin stört, ist die große Unwissenheit über meine Krankheit. Meist ist lediglich der Altersdiabetes bekannt (so wie bei mir selber damals). Alle denken dann, dass du dich zuvor zu ungesund ernährt hast und selbst Schuld bist, krank zu sein.

Außerdem nerven die Schwankungen des Zuckerspiegel – vor allem beim Sport oder nachts. Aber auch die Müdigkeit und Schlappheit bei zu hohem Zucker.

Dadurch fühle ich mich häufig ausgebremst.

4. Hast du Tipps, die dir weitergeholfen haben und die du weitergeben möchtest?

Kurz nach meiner Diagnose hat meine Klinik eine Ski-Fahrt für jugendliche Diabetiker veranstaltet. Es hat mit sehr geholfen, mich auszutauschen und Tipps von anderen zu bekommen.

5. Dein Schlusswort..?

“Also eigentlich musst du doch nur ein bisschen Insulin für dein Essen spritzen – ist ja nicht so schlimm, oder?!” hat eine Bekannte mal gesagt. Für Unbeteiligte bleibt einfach verborgen, dass mit dieser Krankheit so viel einhergeht.

Noch heute, fast 7 Jahre nach meiner Diagnose, frage ich mich häufig, warum gerade ich diese Krankheit bekommen habe. Andererseits sieht man es mir nicht an, dass ich krank bin, was ein riesen Vorteil ist.

Trotzdem ist es eine enorme Belastung Tag für Tag.