Im Ausland ins Krankenhaus

Hinter jeder Krankheit steckt eine ganz eigene Geschichte. Meine Geschichte ähnelt einem kleinen Drama, aus dem ich trotzdem vieles mitnehmen und für die Zukunft lernen konnte.

Als ich 15 Jahre alt war, wollte ich für ein Jahr nach Australien, um dort bei einer Gastfamilie zu wohnen, zur Schule zu gehen und einen anderen Lebensstil kennen zu lernen. In den ersten paar Wochen wurde ich mit vielen neuen Eindrücken überschüttet. Das war sehr interessant, aber auch eine ziemliche Umstellung. Nach ungefähr 2 Monaten merkte ich, wie es mir immer schlechter ging. Es fing damit an, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte und jeden Tag über 5 Liter trank. Zudem aß ich das Doppelte der gewohnten Menge und nahm trotzdem immer weiter ab. Ich hatte keinerlei Energie mehr. Meine Gastmutter sorgte sich extrem um mich und befürchtete, dass ich eine Essstörung habe. Wir gingen zu mehreren Ärzten, die jedoch nichts fanden. Als es nach Wochen nicht besser wurde und ich nicht mal mehr Energie hatte, morgens aufzustehen, alarmierte meine Gastmutter den Krankenwagen. Schon auf dem Weg ins Krankenhaus wurde die Vermutung auf Diabetes geäußert, da ich einen starken Acetongeruch ausströmte. Im Krankenhaus wurde dieser Verdacht bestätigt. Anfangs konnte ich mit der Diagnose nur wenig anfangen. Ich kannte nur die herkömmlichen Klischees: Keinen Zucker mehr und auch sonst kaum noch etwas erlaubt! Deswegen fiel ich aus allen Wolken, als mir das 15.000 Kilometer von Zuhause erzählt wurde. Doch alle kümmerten sich wirklich rührend um mich. Ich hatte einen super Arzt, der mir die Angst nahm und alles genau erklärte. Wie es der Zufall wollte, kannte er sogar einen guten Diabetologen in der Nähe meiner Heimatstadt in Deutschland.

Meine Eltern waren total geschockt. Mein Vater setzte sich gleich in den nächsten Flieger. Es war eine große Erleichterung, als er kam und es stand fest, dass meine Reise nun beendet war. Wir hatten noch ein paar Tage, in denen wir Tagesausflüge machen und ich eine Abschiedsfeier in der Schule bekam. Zurück in Deutschland wurde ich stationär richtig eingestellt und lernte andere Jugendliche mit Diabetes kennen, was mir wirklich half.

Heutzutage komme ich sehr gut mit meiner Krankheit zurecht. Es ist zu einer Routine geworden, die nun mal zu meinem Leben dazugehört. Auch wenn sich jeder wünscht, nicht krank zu sein, konnte ich doch einiges von meiner Krankheit lernen und versuche es, so hinzunehmen. Auch wenn ich das Jahr in Australien nach 3 Monaten abbrechen musste, war es eine schöne Zeit. Außerdem bekam ich die Möglichkeit, ein Jahr später das Auslandsjahr zu wiederholen –diesmal in Amerika. So habe ich zwei unterschiedliche Länder kennengelernt und bin auch um einiges selbständiger geworden.