Hochleistung

Ich bin 25 Jahre alt und seit dem 16. Lebensjahr Diabetiker. Trotz meiner Krankheit hatte ich mit meinem Traum noch nicht abgeschlossen:

Mein Kindheitstraum: Einmal den Mont Ventoux mit dem Fahrrad erklimmen – 21,5 km hinauf auf 1912m!

Endlich ist es soweit!

Morgens wache ich in einem kleinen Dorf am Fuße des Ventoux auf. Heute stelle ich mich der Herausforderungen einen der 4 Berge der Ehrenkategorie zu erklimmen. Trotz ein wenig Nervosität fühle mich fit!

Ich bin sehr euphorisch und will am liebsten direkt starten. Aber erst einmal gut frühstücken. Ich reduziere meinen BE-Faktor um die Hälfte. Dass das gut funktioniert, habe ich vorher im Training getestet – natürlich nicht unter solchen extremen Bedingungen.

Mein Vater wird mich begleiten. Außerdem werden wir mit dem Auto von meiner Schwester unterstützt. Sie hat Verpflegung, warme Klamotten und für den Notfall einen Satz Ersatzräder dabei.

Auf geht’s!

Wir starten. Mein Blutzucker steht knapp über 200. Nicht ganz optimal, aufgrund der anstehenden Anstrengung und meiner Erfahrung aus den Trainingseinheiten aber noch im Toleranzbereich. Meine Basalrate reduziere ich auf 30% – das habe ich natürlich vorher getestet.

Für uns zählt nur das Ankommen!

Die ersten paar Kilometer ist der Anstieg relativ flach – so um die 6%. Wir werden von vielen überholt. Wir bleiben dennoch bei unserem Tempo, um unsere Kräfte nicht frühzeitig zu verheizen. Trotzdem merke ich nach ein paar Kilometern, dass mein Zucker sinkt. Mein Zuckermessgerät bestätigt dies und prognostiziert, dass der Wert weiter fallen wird. Ich trinke etwas Cola und esse einen Müsliriegel.

Langsam fahren wir zu einigen wieder auf, die uns am Anfang überholt haben. Das beflügelt uns. Es wird steiler. Der Puls steigt, die Beine schmerzen, aber wir bleiben zuversichtlich. Ab und an nippe ich an der Cola, um meinen Zucker auf einem guten Wert zu halten. Das gelingt gut – der Zucker bleibt konstant zwischen 130 und 140.

Mittlerweile ist uns nicht nur die Steigung im Weg, es wird auch immer kälter und der Wind pfeift uns um die Ohren. Aber ich finde meinen eigenen Rhythmus. Immer wieder checke ich meinen Zucker – esse nochmal einen Müsliriegel.

Ich passiere das Chalet Reynard. Jetzt wartet das steilste Stück auf mich. Ich realisiere, dass ich es schaffen kann. Als ich das Tempo erhöhe, merke ich jedoch, dass mein Zucker abfällt. Auch die Tendenz zeigt nach unten. Rechtzeitig trinke ich etwas Cola und fange so die Kurve wieder auf.

Es ist nochmal sehr steil und der Wind wird immer stärker. Ich erinnere mich an das Motto meines Idols Jens Voigt: „SHUT UP LEGS“. Noch eine Kurve …

Es ist geschafft. Erleichterung und Stolz überkommen mich!

Ihr seht: Sportliche Hochleistungen sind auch mit Handicap möglich. Wichtig ist, sich gut mit seinem Körper auszukennen und sich nicht zu überschätzen. Bereitet euch gut vor, um euch an solche Anstrengungen zu gewöhnen, und beobachtet im Training immer wieder eure Werte, um eure körperlichen Reaktionen besser einschätzen zu können.

Dank: Ich möchte mich ganz besonders bei meinem Papa und meiner Schwester für die Begleitung bedanken. Außerdem bei  meinem Behandlungsteam für die tolle Beratung! Folgt uns auf Instagram! instagram.com/zilla.sports