Familienplanung mit Rheuma

FamilienPLANUNG. DieBetonung liegt auf „Planung“. Mit einer chronischen Erkrankung, die medikamentös behandelt wird, ist eine „Planung“ unausweichlich. Wie habe ich bis weilen diejenigen beneidet, die quasi von heute auf morgen mitder Umsetzungihrer „Familienplanung“ beginnen konnten. Bei uns lief das alles etwas anders, geplanter eben. Zuerst waren da die Beratungstermine beim Rheumatologen und Gynäkologen. Danach folgte das große Abwägen: Möchten wir das Risiko eingehen? Während der Schwangerschaft muss ich ein alternatives Medikament nehmen. Mein eigentliches Medikament ist das reinste Zellgift, ein No-Go währen deiner Schwangerschaft. Wie werde ich mit der Alternative klar kommen? Und ganz wichtig: letztendlich birgt jedes Medikament Risiken für ein ungeborenes Baby. Wir haben uns trotzdem dafür entschieden.

 Und jetzt kommt wieder das schöne Wort „Planung“ ins Spiel: es läuft doch nicht so, wie man es sich so schön zu Recht gelegt hat! Sechs Monate musste ich mein Medikament abgesetzt haben, bevor ich überhaupt schwanger werden durfte. Und als ich endlich durfte, wollte und wollte es mit der Schwangerschaft einfach nicht klappen. Wie das dann eben so ist. Zunächst ging es mir auch noch recht gut. Das Rheuma hielt sich zurück, die Blutwerte waren ganz gut. Aber nach etwa einem Jahr war es vorbei mit der Ruhe. Fast täglich hatte ich Schmerzen, sie nahmen von Tag zu Tag zu. Dann kam irgendwann der Zeitpunkt, als das Rheuma auf andere, bis dahin verschonte Gelenke übergriff. Ohne Schmerzmittel konnte ich den Tag oft nicht überstehen. Unzählige Male saß ich morgens weinend an der Wohnungstür und wusste nicht, wie ich die Treppen nach unten schaffen sollte (2 Stockwerke), um zur Arbeit zu kommen. Die Situation war nicht nur für mich eine Belastung. Auch mein Mann hatte schwer damit zu kämpfen. Er hatte schon Visionen von mir im Rollstuhl sitzend. Natürlich war ich die ganze Zeit unter ärztlicher Beobachtung. Die Medikamenten-Dosis wurde ständig angepasst und gelegentlich die Schmerzen mit einer Stoßtherapie in Schach gehalten.

 Es kam der Tag, an dem mir mein Rheumatologe riet, die Familienplanung aufzugeben, um Schäden an den Gelenken zu vermeiden. Schon als wir uns damals entschieden, diese ganze Prozedur anzugehen, waren wir uns einig, dass wir ein Baby nicht auf Teufel komm raus haben wollten. Meine Gesundheit und unsere Beziehung sollten daran nicht kaputt gehen. Daher waren wir mehr oder weniger zeitgleich mit dem Rheumatologen zu dem gleichen Schluss gekommen. Wir hatten uns entschieden!

Und plötzlich war ich schwanger! Nach zwei Jahren! Es dauerte einige Wochen, bis ich es wirklich realisieren konnte, bis ich mich richtig freuen konnte! Der Leidensweg war lang gewesen, jeden Monat zerstörte Hoffnungen...  Während der Schwangerschaft ging es mir gut, ich habe sie sehr genossen. Gestillt habe ich dann nur drei Monate, weil die Schmerzen wieder zunahmen. Nun nehme ich wieder mein eigentliches Medikament. Es geht mir richtig gut, ich kann fast alles mit meinem Kind machen. Glücklicherweise haben meine Gelenke die insgesamt drei Jahre ohne das Medikament fast unbeschadet überstanden.

Für ein weiteres Kind würde ich alles noch mal durchstehen. Aber mein Mann möchte das nicht. Zu groß war für ihn die Belastung, die Hilflosigkeit. So bleibt es bei einem Kind. Und jeden Tag freuen wir uns über unser kleines Wunder!