Berufsausbildung mit Epilepsie

Nicht mal mehr zwei Monate, dann habe ich es geschafft!

Ich befinde mich gerade im letzten Abschnitt einer Ausbildung bei einer Behörde, die sich in Theorie- und Praxisphasen gliedert. Die Theorie findet an einer Hochschule in Blöcken statt und momentan bin ich im letzten Teil. 

Früher hätte ich nie zu träumen gewagt, dass ich mal so eine Chance bekommen werde.    

Ich habe mir das immer gewünscht, aber dachte nie, dass mich mal jemand nimmt. Mit früher meine ich noch vor 5 Jahren.

Mit 11 Jahren bekam ich plötzlich Anfälle, aber mit 22 Jahren sind sie dank der Medikamente wieder verschwunden.   

Zuletzt hatte ich nur noch nicht enden wollende Anfallsserien. Das war kein schönes Leben mehr und ich wollte einfach ein neues Leben beginnen. Von den Medikamenten fühlte ich mich total benebelt, so dass ich von meiner Umwelt nicht mehr viel mitbekam oder ich hatte Nebenwirkungen wie Haarausfall, Nervosität, Müdigkeit, ständige Unruhe.

Als ich auf ein neues Medikament eingestellt wurde, blieben die Anfälle weg und die Nebenwirkungen hielten sich in Grenzen.

So beschloss ich, ohne Anfälle nochmal von vorn anzufangen und momentan befinde ich mich in meinem 2. Leben.

Ich zweifelte, ob ich jemals in meinem Leben richtig arbeiten gehen könnte und wusste nicht, inwieweit mein Gehirn noch fähig war, sich zu konzentrieren. Um das zu testen, suchte ich mir einen Nebenjob und wagte den Sprung ins kalte Wasser.

Mein Chef schätzte meine Arbeit und ich habe bei der Arbeit viele nette Menschen kennengelernt.

Ich bewarb mich um einen Ausbildungsplatz bei einer Behörde, um mein eigenes Geld zu verdienen und selbständiger sein.

Das Bewerbungsgespräch verlief ganz locker Für mich war aber klar, das Wort „Epilepsie“ nehme ich dabei besser nicht in den Mund.

Meine Erfahrungen haben mich abgeschreckt. Denn kam mir bei Bewerbungsgesprächen das Wort über die Lippen, konnte ich den Schrecken in den Gesichtern der Menschen mir gegenüber ablesen, selbst wenn diese versuchten sich nichts anmerken zu lassen. Und die Folge: Ich habe nur Absagen kassiert.

„Sage ich es oder nicht?!“

Für mich war das  ein Gewissenskonflikt: Ich würde liebend gerne zu meiner Krankheit stehen, denn sie gehört zu mir und meiner Persönlichkeit. Doch Personalchefs stufen einen Menschen mit Epilepsie  als „Unsicherheitsfaktor“ ein.  Wieso sollten sie einen Menschen mit Epilepsie einstellen, wenn sie auch gesunde Menschen haben können? Anders kann ich mir das nicht erklären.

Das Gute für mich ist, dass man mir ja nichts ansieht.

Ich bin ein offener Mensch, der keine Probleme hat, auf Menschen zuzugehen und diese Epi-Vergangenheit auch geschickt umspielen kann. Das lernt man mit der Zeit. (…)

Auf jeden Fall bin ich aufgrund meiner Erfahrungen der Meinung, dass ich, wenn ich in meinem Vorstellungsgespräch Epilepsie erwähnt hätte, den Ausbildungsplatz nie bekommen hätte.

Ich finde es traurig, dass es so schwer gemacht wird, zu der Epilepsie zu stehen!

“Poco a poco – Stück für Stück” von Dani, 28 Jahre; zur Zeit in einer behördlichen Ausbildung.

Aus Susanne Rudolph (Hrsg): “Sag ich’s oder sag ich’s nicht – Vom beinahe fast normalen Arbeitsleben junger Menschen mit Epilepsie”

Kostenfreie Bestellung: info@junger-treffpunkt-epilepsie.de